Laozi für alle 人人的老子

禦園十歲
對所有的誠實,單純保持一種持久而徹底的態度和熱忱。—— 书童小子

Laozi für alle 人人的老子

Die Essenz des Daodejing

Welche Bedeutung hat das Daodejing (TaoTeKing) , die 81 Verse, die dem legendären Laozi (Laotse) zugeschrieben werden, für uns Heutige?

Es wird hier der Versuch unternommen, das ohnehin schmale Buch aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.  im Sinne eines Breviers  noch einmal zu kondensieren. Im ersten Teil der vorliegenden Schrift werden Verhaltensregeln für ein gelungenes Leben zusammengefasst, im zweiten Teil werden die mystischen Grundlagen des Daoismus angesprochen.

Zugrunde liegt die allgemein anerkannte Übersetzung von Richard Wilhelm aus dem Jahre 1910:  „Das Buch des Alten vom Sinn und Leben“. Da die ausgewählten Zitate zum größten Teil Verkürzungen sind, waren aus grammatikalischen Gründen hier und da Veränderungen nötig, die aber den Inhalt in keiner Weise berühren. Die vorangestellten Zahlen weisen auf die Nummern der Abschnitte im Daodejing hin.

Das vorliegenden Brevier ist eine subjektive Zusammenstellung und somit ein Versuch sich den Inhalten interpretatorisch zu nähern.

Erklärungen, die das Verständnis erleichtern sollen, sind kursiv gesetzt.

  1. Verhaltensregeln für ein gelungenes Leben

(2) Der Berufene: Er verweilt im Wirken ohne Handeln. Er übt Belehrung ohne Reden.

(3) Das Nicht-Handeln üben: so kommt alles in Ordnung.

Handeln, ohne zu handeln: Das daoistische Prinzip des wu-wei.

(5) Besser ist es, das Innere zu bewahren.

(7) Der Berufene: Er setzt sein Selbst hintan und sein Selbst kommt voran.

Ist es nicht also: Weil er nichts Eigenes will, darum wird sein Eigenes vollendet.

(9) Etwas festhalten wollen und es dabei überfüllen: das lohnt der Mühe nicht.

Ist das Werk vollbracht, dann sich zurückziehen: das ist des Himmels SINN.

(10) Wer seine Seele einfältig macht und demütig,  der mag wohl werden wie ein Kindlein.

Vgl. Jesus: Werdet wie die Kinder!

(13) Der Grund, warum ich große Übel erfahre, ist, dass ich ein Ich habe.

Wenn ich kein Ich habe, welches Übel gibt es dann noch?

(16) Ist das Ich nicht mehr, so gibt es keine Gefahren.

Alle Weisheitslehren sprechen von der Befreiung vom Ich.

(19) Zeigt Einfachheit, haltet fest an der Lauterkeit: so mindert sich die Selbstsucht, so verringern sich die Begierden.

(22) Der Berufene: er umfasst das Eine und ist der Welt Vorbild.

(23) Seine Worte selten machen, dann geht alles von selber.

(28) Wer seine männliche Kraft erkennt und dennoch in weiblicher Schwachheit weilt, der ist das Strombett der Welt. Wer sein Licht erkennt und

dennoch im Dunkel weilt, der ist das Vorbild der Welt. Ist er das Vorbild der Welt, so fehlt ihm nicht das ewige LEBEN und er kann wieder umkehren zum Ungewordenen.

Polarität tritt an die Stelle von Dualismus.

(29) Die Welt erobern wollen durch Handeln. Ich habe erlebt, dass das nicht gelingt. Die Welt ist ein geistiges Ding, das man nicht behandeln darf.

Wer handelt, verdirbt sie. Wer festhält, verliert sie.

(31) Der Edle (Feldherr) siegt, aber er freut sich nicht daran. Wer sich daran freuen wollte, würde sich ja des Menschenmordes freuen. Wer sich des Menschenmordes freuen wollte, kann nicht sein Ziel erreichen in der Welt.

Das sei allen politischen Massenmördern ins Stammbuch geschrieben.

(33) Wer andere kennt, ist klug. Wer sich selber kennt, ist weise.

(34) Der Berufene: Niemals macht er sich groß. Darum bringt er sein großes Werk zustande.

(35) Wer festhält das große Urbild, zu dem kommt die Welt.

(38) Der rechte Mann: Er bleibt beim Sein und nicht beim Schein.

(46) Kein schlimmeres Unheil gibt es als die Sucht nach Gewinn.

(47) Ohne aus der Tür zu gehen, kann man die Welt erkennen.

Ohne aus dem Fenster zu blicken, kann man des Himmels SINN erschauen.

(49) Der Berufene lebt in der Welt ganz still, aber er macht sein Herz weit für die Welt.

(51) Erzeugen und nicht besitzen, wirken und nicht behalten, mehren und nicht beherrschen. Das ist geheimes LEBEN.

(52) Wer sein Licht gebraucht, um zurückzukehren zu seiner Klarheit, der hinterlässt kein Ich, das eine Gefahr treffen könnte.

(55) Den Frieden erkennen, heißt ewig sein. Die Ewigkeit erkennen, heißt weise sein.

(56) Der Erkennende redet nicht, der Redende erkennt nicht.

(58) Der Berufene:

Er ist Vorbild, ohne zu beschneiden, er ist gewissenhaft, ohne zu verletzen,

er ist echt, ohne Willkürlichkeiten, er ist licht, ohne zu blenden.

(63) Der Berufene denkt niemals an seine Größe, darum kann er seine Größe vollenden.

(64) Man muss wirken auf das, was noch nicht da ist. …Der Berufene handelt nicht, so verdirbt er nichts. Er hält nicht fest, so verliert er nichts. …

Er fördert den natürlichen Lauf der Dinge.

(66) Der Berufene:

Weil er nicht streitet, kann niemand auf der Welt mit ihm streiten.

(67) Drei Schätze:

Liebe, Genügsamkeit, Demut…

Wer den Himmel retten will, den schützt er durch die Liebe.

(69) Besser ist es einen Fußbreit zurückzuweichen, als einen Zollbreit vorzugehen.

(72) Der Berufene:

Er erkennt sich selbst, aber er will nicht scheinen. Er liebt sich selbst, aber er sucht nicht Ehre für sich.

(73) Wer seinen Mut zeigt in Waghalsigkeiten, der kommt um. …

Ruhig sitzt er da und versteht doch, die rechten Entschlüsse zu fassen.

(74) Wer statt des Zimmermanns die Axt führt, der wird selten davon kommen, ohne sich die Hand zu verletzen.

(76) Der Mensch ist weich und schwach, wenn er geboren wird, fest und stark, wenn er stirbt. Das Feste und Starke gehört dem Tode, das Weiche und Schwache gehört dem Leben.

(78) Auf der ganzen Welt gibt es nichts Weicheres als das Wasser. Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt, kommt nichts ihm gleich.

(81) Der Berufene häuft keinen Besitz auf. Je mehr er für andere tut, desto mehr besitzt er. Je mehr er den anderen gibt, desto mehr hat er.

 

  1. Der unsichtbare Ursprung

(2) Sein und Nichtsein erzeugen einander.

(4) Der SINN ist unsichtbar und doch als wie wirklich. Er scheint früher zu sein als der HERR. (Gott)

(6) Der Geist der Tiefe stirbt nicht.

Gemeint ist die Weltseele bzw. Leere

(11) Dreißig Speichen treffen sich in einer Nabe:

Auf dem Nichts daran ( dem leeren Raum ) beruht des Wagens Brauchbarkeit.

Man bildet Ton und macht daraus Gefäße:

Aus dem Nichts daran beruht des Gefäßes Brauchbarkeit.

Man durchbricht die Wand mit Türen und Fenstern, damit ein Haus entstehe:

Aus dem Nichts daran beruht des Hauses Brauchbarkeit.

Darum: Das Sein gibt Besitz, das Nichtsein Brauchbarkeit.

(14) Wer erfasst den SINN des Alten (Altertums) kann damit beherrschen das Sein des Heute und kann die Uranfänge erkennen: Das ist des SINNS durchgehender Faden.

Ursprung und Gegenwart ( Jean Gebser )

(15) Die vor alters tüchtig waren als Meister, waren im Verbogenen eins mit den unsichtbaren Kräften.

(16) Stille: das ist die Rückkehr zur Bestimmung. Rückkehr zur Bestimmung:

das ist Ewigkeit. Die Ewigkeit erkennen, das ist Weisheit.

(21) Des großen LEBENS Form folgt ganz dem SINN. Der SINN wirkt die Dinge unsichtbar, unfasslich! … Von Anbeginn bis heute ist sein Name nicht zu entbehren, um zu verstehen aller Dinge Entstehung.

(25) Sein und Nichtsein ist ungetrennt durcheinander.

(32) Solange der SINN in seiner vorweltlichen Ewigkeit verharrt, gibt es keine Namen (=Leere).

Wenn die äußere Gestaltung beginnt, dann gibt es Namen (= Form)

(34) Der große SINN ist allgegenwärtig.

(36) Das Weiche siegt über das Harte. Das Schwache siegt über das Starke.

(37) Die Wunschlosigkeit führt zur Stille.

(38 ) Ist der SINN abhanden, dann das LEBEN. Ist das LEBEN abhanden, dann die Liebe. Ist die Liebe abhanden, dann die Gerechtigkeit. Ist die Gerechtigkeit abhanden, dann die Moral.

(42) Der SINN erzeugt die Einheit. Die Einheit erzeugt die Zweiheit. Die Zweiheit erzeugt die Dreiheit. Die Dreiheit erzeugt alle Geschöpfe. Alle Geschöpfe haben im Rücken das Dunkle und umfassen das Lichte, und der unendliche Lebensatem gibt ihnen Einklang.

Nr. 42 enthält die fundamentalen Begriffe des Daoismus:

Einheit= Wuji, Zweiheit = Taiji, das Dunkle = Yin, das Helle = Yang, Yin und Yang finden sich im berühmten Taiji Symbol    , der Lebensatem = Qi ( die Urkraft )

Die Dreiheit: Die Anzahl der Sprüche des Daodejing basiert auf einer Dreierpotenz: 3 hoch 4 ist 81.

(45) Reinheit und Stille ist der Welt Richtmaß.

(79) Des Himmels SINN kennt kein Ansehen der Person. Er spendet immer den Tüchtigen.

Der fundamentalste Spruch, die Grundlage des Daoismus, stellt die Nr. 1 dar.

Wegen seiner Bedeutung steht er am Schluss unserer kleinen Auswahl.

(1)…

Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.

Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe.

Darum führt das Streben nach dem Ewig-Jenseitigen

zum Schauen der Kräfte,

das Streben nach dem Ewig-Diesseitigen

zum Schauen der Räumlichkeit.

Beides hat Einen Ursprung und nur verschiedene Namen.

Diese Einheit ist das Große Geheimnis.

Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis:

Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.

Hier der Versuch einer Interpretation:

 

Jenseits des Nennbaren = wir können es verstandesmäßig nicht begreifen

Diesseits des Nennbaren = unsere evolutionäre Wirklichkeit

Streben nach dem Ewig-Jenseitigen zum Schauen der Kräfte = integrale Transparenz

Streben nach dem Ewig-Diesseitigen = Verharren in der Dreidimensionalität des Mentalen

Einen Ursprung und nur verschiedene Namen = der unsichtbare Ursprung

Die Einheit = das Ganze (= Advaita= Nicht-Zweiheit)

Die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte = Erleuchtung/Erwachen

 

 

 

 

Hans-Peter Schmitt                                       Endingen am Kaiserstuhl, Juli 2016

 

 

 

 

 

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